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Eingebettet in 2000 Jahre Karnevalsgeschichte

37 Jahre KG Mülle Jonge von 1970

 

1. Römische Kulte am Rhein - antike Ursprünge des Karnevals

Die Geschichte des Karnevals ist in ihren Ursprüngen annähernd 2000 Jahre alt. Spätestens im zweiten nachchristlichen Jahrhundert brachten die Römer hellenistisch-orientalische Mysterienkulte zum Rhein, insbesondere zur Hauptstadt der Provinz Niedergermanien, Köln. Als Colonia (Stadt) hatte Köln das Recht, die gleichen Feste zu feiern wie die Hauptstadt des Imperiums Rom. Zu ihnen gehörte das große Freudenfest im Winter, die Saturnalien, das im Dezember begangen wurde. Man schmauste, trank und erlaubte sich manche Neckerei. Närrische Gruppen, Wachsfackeln tragend, zogen lärmend durch die Stadt, manche vermummt.

Die Lupercalien, die im römischen Weltreich am 15. Februar stattfanden, beinhalteten ebenfalls Elemente des späteren Karnevals. In Vorbereitung auf das Erwachen der Natur waren sie ein Sühne- und Reinigungsfest. Februar(e) bedeutet Reinigungsopfer (februare = reinigen). In einer Sühneprozession zog man durch die Stadt, nur mit einem Ziegenfell bekleidet. Man schlug entgegenkommende Frauen mit einem vom Fell des geopferten Bocks gefertigten Riemen, was der Fruchtbarkeit förderlich sein sollte. Möglicherweise ist das Schlagen mit der Karnevalspritsche auf den alten Brauch zurückzuführen.

Doch weder die Saturnalien noch die Lupercalien sind die alleinigen Wurzeln der Fastnacht, wie sie in unserer Zeit gefeiert wird. Nach der Völkerwanderung und der Eroberung unseres Gebietes durch die Franken im 5. Jahrhundert wuchs im Rheinland der Einfluß einer Vielzahl von germanischen Naturkulten, die sich an den jahreszeitlichen Wandel anlehnten. Vorfrühlingskulte dienten der Austreibung von Winterdämonen und beinhalteten einen Fruchtbarkeitszauber. Der Kampf gegen die Dämonen begann mit der Winter-Sonnenwende und endete mit dem Frühlingsanfang. Die Mittel des Kampfes waren Lärm und Feuer, sowie die Verwandlung des eigenen Ichs zum Kampf in eine Schreckensgestalt oder ein Tier, das den Frühlings- und Fruchtbarkeitsgottheiten heilig war.

Der Kampf des seit dem 7./8. Jahrhundert die Gesellschaft bestimmenden Christentums gegen die alten Bräuche war lang und schwer. Mit der Zeit aber erlosch das heidnische Gedankengut durch den Einfluss der kirchlichen Kultur bzw. es wurde christlich umgedeutet. Ungeachtet dessen sind in unserem Karneval noch Brauchtumsrelikte aus vorchristlicher Zeit vorhanden und besonders gut erkennbar in der alemannischen Fasenacht.

 2. Mer fiere Fastelovend - Kirche und Karneval

Spätestens im 12. Jahrhundert steht das alte niederdeutsche Wort vastavent in einem klaren Bezug zur Fastenzeit. In der Oberflächlichkeit des rheinländischen Sprechens wurde daraus Fastelovend, der Vorabend der Fastenzeit. Das Wort Karneval lässt sich vom Lateinischen carne vale (= Fleisch lebe wohl) ableiten, denn mit dem Aschermittwoch begann eine Zeit strenger Fasten- und Bußübungen. Jeder Fleischkonsum, jede Lustbarkeit waren verboten, und so ist es mehr als verständlich, dass die Menschen am Fastelovend noch einmal gut essen, trinken, ausgelassen und lustig sein wollten. Demnach bezieht die Fastnacht ihre Legitimation vom Anbruch der vorösterlichen Bußzeit mit ihren Enthaltsamkeitsgeboten. Diese Beziehung Kirche-Karneval hatte aber noch weitere Folgen. Eier fielen in früheren Jahrhunderten wie das Fleisch ebenfalls unter das Fastengebot. Die Vorräte mussten aufgebraucht werden, woraus spezielles Gebäck mit einer überdurchschnittlich großen Menge an Eiern resultierte: Krapfen, Muzen, Muzemandeln, auch "Nonnenfützchen" genannt. Von hierher erklärt sich auch der Ostereier-Brauch. Da sich die Hühner beim Eierlegen nicht der christlichen Norm "unterwarfen", hatte sich Ostern ein beachtlicher Eierberg angesammelt, der in kurzer Zeit abgebaut werden musste.

3. Alaaf, Elferrat und Trifolium - Erklärungen karnevalistischer Rituale

3.1. Sessionseröffnung am Elften im Elften

Der Elfte im Elften war früher selbst in Köln ein eher ruhiger Tag. Es fand die "Inaugurationsfeier" statt, d.h. dass sich an jenem Tag die Redner und Sänger in den Sälen einem Fachpublikum vorstellten, das feststellen sollte, ob sie würdig für das Amt des Spaßmachers waren. Nachdem die Willi-Ostermann-Gesellschaft die Inaugurationen 1969 auf die Straße geholt hatte, sang und schunkelte man in Vorfreude auf die neue Session, die offiziell erst am 1. bzw. 6. Januar beginnt. Von Jahr zu Jahr kamen mehr Menschen, schließlich zog man auf den "Alter Markt", wo seitdem die Session alljährlich im Beisein von vielen tausend Jecken eröffnet wird. Diese 37 Jahre alte Tradition hat man mittlerweile in Bedburg bzw. Kirchherten übernommen.

3.2. Die Jeckenzahl "Elf"

Die Zahl 11 spielte in den Anfängen des organisierten Karnevals, der in Köln 1823 begann, noch keine wesentliche Rolle, zumindest nicht bei der Zusammensetzung der Räte. Die 11 beim "Elferrat" wird von manchen als die Gleichheit aller Jecken unter der Narrenkappe interpretiert. Jedes Mitglied ist eine selbständige, gleichberechtigte Person, sozusagen "Eins neben Eins" unter einer selbst gestellten, für alle gleichen Aufgabe. Andere brachten die Zahl 11 in Zusammenhang mit den 11.000 Kölner Jungfrauen der Ursula-Legende, auch deutet man sie vereinzelt nach den Anfangsbuchstaben der Parole der Französischen Revolution: "Egalité, Liberté, Fraternité" = ELF.

3.3. Alaaf - Narren-Ruf in Köln und seinem Umland

"Mieh Lieblingswörtche ess Kölle Alaaf", sang Willy Millowitsch bis zu seinem Tode, und bei jeder karnevalistischen Veranstaltung wird unzählige Male "Alaaf" ausgerufen. "Alaaf", ein Lob- und Trinkspruch, vergleichbar mit dem "Hoch! Hurra!".

Ein Fund in Köln im Jahre 1951 sowie die Umschrift "Hans-et-gilt-Hans-Alaf-fvr-eine-gode-Drunk" auf einer Frechener Keramikscherbe belegen das Wort "Alaf" bereits für das 16. Jahrhundert, und das eben nicht nur in Köln. Die regional begrenzte Verwendung des Alaaf, speziell in Köln und dem Kurfürstentum, ist aus einem Schriftstück von Adolf Freiherr Wolff-Metternich zur Gracht zu entnehmen. Dieser Vertraute des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Ferdinand von Bayern schrieb am 1. Oktober 1835 an den Bischof von Osnabrück: "Ich hoffe, Euer Fürstliche Gnaden werden einmal wieder an das Alaaf cölnisch Land denken (...)"

3.4. Von Sitzungsräten, Fastelovendsmötze und prachtvollen Orden

In den Anfängen des organisierten Karnevals unterschied man zwischen dem "Kleinen Rath" und dem "Großen Rath". Wenn der Kleine Rat als eine Art geschäftsführender Vorstand das Programm der jeweiligen Fastnachtsveranstaltungen vorbereitete, wurde dieses der Generalversammlung, dem Großen Rat, zur Kenntnisnahme und Diskussion vorgetragen. Diese Versammlungen nannte man Sitzungen, bei denen die Männer Narrenkappen, Fastelovendsmötze trugen.

Das Tragen von Narrenkappen kam auf Vorschlag des preußischen Generals von Czettritz zustande, der sie mit den Worten "Gleiche Brüder, gleiche Kappen!" begründete.

Die Generalversammlungen begannen am Neujahrstag und fanden von da ab bis Fastnachtssonntag wöchentlich statt. Der Präsident, umgeben von seinen Räten auf erhöhtem Sitz thronend, führte den Vorsitz. Ihm gegenüber saßen die Narren. Redner erhielten das Wort, wobei sich ihre humorvollen Beiträge mit Gesängen abwechselten.

Anfangs wurden die Reden von einem erhöhten Rednerstuhl aus vorgetragen. Im Laufe der Zeit wandelte er sich in die von kräftigen Waschfrauen in den Saal transportierte "Waschbütt", in der einmal im Jahr alles das gewaschen, abgeschrubbt wurde, was übers Jahr "dreckelig" geworden war. Die Bütt ist heute auf manchen Karnevalssitzungen noch immer feste Requisite, oftmals finden die Büttenreden aber nur noch am Mikrofon statt.

Üblich ist, dass der Sitzungspräsident an Redner und Sänger, die sich besonders ausgezeichnet haben, sowie an Honoratioren aus Stadt und Wirtschaft Orden verteilt. Ursprünglich sollten Karnevalsorden Missbilligung und Persiflage militärischen Gehabes und Pompes sein, in gewisser Weise eine Auflehnung gegenüber den Preußen, die seit 1815, anfangs ungeliebte Herrn im Rheinland waren. Als mit dem Aufkommen des Nationalismus das Preußisch-Militärische nicht mehr negativ gesehen wurde, änderte sich auch die Bedeutung des Ordens. Heute sind sie Auszeichnungen für verdiente Karnevalisten und Menschen, die sich um den Karneval verdient gemacht haben.

3.5. Prinz, Bauer und Jungfrau - im Trifolium zu höchsten gesellschaftlichen Ehren

Der Vorläufer des "Prinz Karneval" war der "Held Karneval". Der Habitus des "Helden Karneval", anfangs ohne Bauer und Jungfrau, entsprach dem Seiner Kaiserlichen Majestät, dem sich Köln einst als Freie Reichsstadt allein untertänig zeigte. Im romantischen Karneval des frühen 19. Jahrhunderts beinhaltete die Schöpfung des "Helden Karneval" eine Rückbesinnung auf Mittelalterliches. Die Mutation vom "Held Karneval" zum "Prinz Karneval" erfolgte, als Heldisches eine neue inhaltliche Dimension erfuhr. Im Krieg 1870/71 assoziierte man damit Kriegsgetümmel, Vaterland, Tapferkeit. Außerdem hatte man nun einen "Heldenkaiser", Wilhelm I., so dass der karnevalistische Held blasphemisch gewesen wäre. Prinz Karneval wurde in Köln erstmals 1872 gekürt, in Bedburg 1886, in Kirchherten 1977.

Wie der "Held" so gehen auch der "Kölner Bauer" und die "Kölner Jungfrau" auf romantische Vorstellungen zurück. Sie haben ihre Vorläufer im reichsstädtischen Köln, sind allegorische Repräsentanten der Bürgerschaft.

1422 vertrat Köln zusammen mit Regensburg, Konstanz und Salzburg die "Reichsbauernschaft". Als Stadtbewahrer trägt der Kölner Bauer auf vielen Holzstichen am Unterarm die Stadtschlüssel. Symbole seiner Wehrhaftigkeit sind Schwert und Dreschflegel. Reichstreue und Tapferkeit sind seine Tugenden.

Seit etwa 1570 wurde dem Bauern die Kölner Jungfrau zur Seite gestellt. Sie ist das Symbol der "unversehrten und freien, unabhängigen und keinem fremden Machtwillen unterworfene Stadt".

Bauer und Jungfrau sind erst am Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Prinzen zum närrischen Dreigestirn vereint worden. Im Kölner Umland, auch bei uns in Kirchherten, wurde es mit zeitlicher Verspätung ebenfalls zum festen Bestandteil des Karnevals. Erstmals kam 1983 ein Dreigestirn aus Kirch-Grottenherten. Das Jahrtausend-Trifolium der Stadt Bedburg in der Session 1999/2000 ist das dritte Stadtdreigestirn, das von der "KG Mülle Jonge" gestellt wurde.

4. Ganz Bedburg feiert Karneval

4.1. Mir setze bei Fläschen em Festkumiteh - Anfänge des organisierten Karnevals in unserer Schloßstadt

Im Jahre 1847, gerade einmal 24 Jahre nach der Renaissance des Kölner Fasteleer, erschien ein Heft mit Bedburger Karnevalsliedern. In ihm ist u.a. ein Lied mit dem Titel "Levvensgenoß" abgedruckt, das bereits 1845 geschrieben worden war. Es ist für die Erforschung der Anfänge des hiesigen Karnevals ein fundamental bedeutsames Dokument, wird doch im Text erstmals ein "Kumiteh" genannt, das für die Durchführung des Karnevals verantwortlich zeichnete. Es dürfte sich vor nunmehr 161 Jahren um das älteste Dokument des organisierten erftländischen Karnevals handeln. So ist man in Bedburg stolz, neben den städtischen Hochburgen des organisierten Frohsinns auf die längste Karnevalstradition links des Rheins zurückblicken zu können.

Auf dem Gebiet der heutigen Stadt wird 1872 erstmals eine Karnevalsgesellschaft, die "Gesellschaft Ohne" erwähnt, von deren Mitglieder einige bei der Gründung der Bedburger Narrenzunft, der ältesten, heute noch bestehende Karnevalsgesellschaft Bedburgs beteiligt waren. 1886 gegründet, ist die BNZ die einzige Karnevalsgesellschaft, deren Ursprünge im 19. Jahrhundert liegen.

4.2. Der Fastelovend als jecke Massenbewegung

Von den Anfängen des Bedburger Karnevals vor mehr als 160 Jahren bis heute haben sich die Verhältnisse ganz wesentlich verändert. Anfangs und noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein gab es die Trennung zwischen dem organisierten, recht elitären Gesellschaftskarneval und dem Feiern der "Massen" auf den Straßen und in den Kneipen. Dann aber, vor allem nach dem 2. Weltkrieg ist der Fasteleer zu einer "jecken Massenbewegung" geworden, an der heute alle Bevölkerungsschichten und alle Ortsteile der Stadt Bedburg beteiligt sind. Unter Beibehaltung alter Traditionen sucht man seit einigen Jahren nach neuen Wegen, insbesondere die Jugend langfristig an das Brauchtumsfest zu binden – beispielsweise durch Kindersitzungen, Karnevalsdiscos und Schunkellieder mit frechen Texten und rockigen Rhythmen.

Getragen wird der Karneval in Bedburg heute von sechs Gesellschaften und drei Komitees mit zusammen etwa 1.100 Aktiven. Sicherlich ist es kein Zufall, dass sich die größten Gesellschaften, nämlich die Bedburger Narrenzunft und die Bedburger Ritter em Ulk, auf dem Gebiet des früheren Kurköln konstituierten, wohingegen Ortschaften, die bis zur Franzosenzeit zum Herzogtum Jülich gehörten, erst viel später zum Fastnachtsbrauch fanden. Es spielen hier wohl die mehr oder weniger engen historischen Beziehungen zur "Mutter Colonia" eine Rolle. Das dürfte eine Erklärung dafür sein, dass unser Doppelort, ein Dorf im ehemaligen Herzogtum Jülich, erst spät, nämlich nach dem 2. Weltkrieg zum Karneval fand.

5. Gesang und Spaß an der Freud – Sitzungen der KG "Nette Ruhige Leut"

Aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieges gibt es keinen schriftlichen Beleg für die Existenz eines organisierten Sitzungskarnevals in Kirch-Grottenherten. Vor 1939 fanden nur Maskenbälle statt, zum einen vom Bürgerverein organisiert in der Gaststätte Breuer, parallel dazu für die "gehobenen Schichten" im Saal Clemens.

Das sollte sich nach der "Währung", im Juni 1948 grundlegend ändern. Am 11.11.1948 trafen sich Fastelovendsjecke in der Gaststätte Holten und gründeten die Karnevalsgesellschaft "Nette Ruhige Leut", deren Mitglieder sich großenteils aus dem MGV Frohsinn rekrutierten. Gesang und Spaß an der Freud, dafür garantierten damals Männer wie Peter Plum, Martin und Willy Köcher oder Josef Cremer. Ihr Lied aus der ersten Sitzung vom 15.1.1949 "Hurra, hurra mir levve noch" spiegelt die Stimmung damals recht gut wider.

Die Veranstaltungen wurden fast ausschließlich mit eigenen Kräften bestritten, wobei insbesondere lokale Themen textlich und musikalisch aufgegriffen wurden. Doch gab es ganz vereinzelt auch Auftritte von Karnevalisten aus umliegenden Ortschaften. Diese kamen gern ins "Buuredörp", wurden sie doch in der schlechten Zeit mit einem Sack Kartoffeln, Rübenkraut, Butter, Speck und Eiern bezahlt. Darunter befanden sich auch die "Vier Botze" aus Köln, zu denen der Vater von Tommy Engel (ehem. Sänger der Bläck Fööss) gehörte.

Die Sitzungsgäste zeigten anfangs häufig das typische "Notzeit"-Verhalten. In Einkaufstaschen schmuggelten sie den selbstgebrannten "Knolli-Brandy" in den Saal. Man bestellte ein Glas Bier, und sobald das geleert war, füllte man das Eigengebräu ein. Da jeder "Brandy" anders schmeckte, probierte man beim Nachbarn, mit dem Ergebnis, dass manch einer das Ende der Sitzung nur noch "benebelt" erlebte.

Bekannte Karnevalisten, die auf den Sitzungen im Saal Clemens bzw. Hotel Deutsches Haus auftraten, waren u.a. "Die fünf frohen Sänger" mit M. Köcher, K. Uerlings, J. Cremer, M. Kerstges und W. Köcher. Kaspar Schiffer und Theo Kerstges als Dorfpolizisten, Willy Olligs, Toni Kremer, Conny Sohn, Franz Mattern und viele mehr – sie alle wurden von Zeremonienmeister Willy Rademacher auf die Bühne geleitet.

Besonders erfolgreich war Mitte der 50-er Jahre die Kirchhertener Gesangsgruppe "Hobby Trio" mit Erich Rech, Theo Rüthermann, Michael Sohn und Kaspar Vosen, die selbst in der Karnevalshochburg Düsseldorf Erfolge feierten.

Als Sitzungspräsidenten fungierten Karl Spielmanns, Hermann Faßbender, Eddy Reichwein. Ihnen allen, den Akteure auf der Bühne und im Elferrat, ist die Verbreitung und Etablierung des Karnevals in Kirch-Grottenherten zu verdanken.

Das Ende der Gesellschaft "Nette Ruhige Leut" war in den 60-er Jahren vorprogrammiert, als der damalige Präsident Eddy Reichwein tödlich verunglückte. Noch zweimal, nämlich in den Sessionen 1964/65 und 1966/67 wurden vom neuen Präsidenten Franz Mattern Sitzungen geleitet, dann aber war soweit die Dokumente -Schluss. Auf dem Papier bestand die KG "Nette Ruhige Leut" noch etwa ein Jahrzehnt, bevor sie sich schließlich auflöste. War damit der Karneval in Kirchherten am Ende?

6. Karneval mit neuem Schwung – die KG "Mülle Jonge" von 1970

6.1. Vier Männer als Wegbereiter für eine karnevalistische Zukunft

Im Kölner Stadt-Anzeiger vom 12.12.1973 findet man einen interessanten Bericht, der Antwort auf die oben gestellte Frage gibt:"Da man [KG "Nette Ruhige Leut", Anm. d. Verf.] in diesem Jahr keine Sitzung veranstaltet, hat man sich dahingehend geeinigt, einige aktive Mitglieder an die neue KG "Mülle Jonge" auszuleihen."

Eine neue KG "Mülle Jonge"? Was war geschehen? Am 11.11.1970, an einem für jeden Karnevalisten bedeutsamen Tag, saßen Gerhard Offermanns, Franz Heinz Kloke, Fred Braun und Josef Jansen im Hotel "Deutsches Haus" zusammen. In fortgeschrittener Bierlaune, unter dem leidvollen Eindruck, dass der Sitzungskarneval in unserem Ort nicht mehr existent war, äußerte Gerhard Offermanns:"Mir müsse jet donn! In Kirchherte muss endlich wiehr Fastelovend gefiert werde!"

Damit hatte er nur das ausgesprochen, was die übrigen ebenfalls empfanden. Für den 28. November lud man Interessierte zu einer Gründungsversammlung ein. 16 Männer folgten der Einladung und gründeten die "Karnevalsgesellschaft Kirch-Grottenhertener Jonge": Günter Becker, Josef Becker, Fred Braun, Josef Hansen, Heinrich Heiartz, Josef Jansen, Franz Heinz Kloke, Dieter Koehl, Gerhard Kraus, Günther Müller, Gerhard Offermanns, Johann Poeckl, Anton Schmitz, Philipp Schroers, Konrad Uerlings, Peter Zimmermann. Einige von ihnen waren auch schon in der KG "Nette Ruhige Leut" aktiv gewesen.

Die Versammlung, von der Stimmung her schon ein wenig an eine Karnevalssitzung erinnernd, wählte noch am selben Abend den Vorstand: Franz Heinz Kloke (Vorsitzender), Fred Braun (Geschäftsführer), Josef Jansen (Kassierer), Gerhard Offermanns (Präsident), Peter Zimmermann (Vizepräsident) und Konrad Uerlings (Beisitzer).

6.2. Die großen Prunksitzungen der KG "Mülle Jonge"

Trotz sehr begrenzter finanzieller Mittel, doch getrieben von unbändigem Idealismus und geleitet durch das Improvisationstalent des Präsidenten wurde schnell ein funktionierender Verein aufgebaut. So gelang es bereits im Februar 1972 – die Mitgliedszahl war schon auf 23 angewachsen - eine erste Prunksitzung zu veranstalten. Präsident Offermanns führte souverän durch das abwechslungsreiche Programm, das man, nur unterstützt von der KG "Kleine Lipper", ausschließlich mit eigenen Kräften bestritt Überhaupt sollten diese Stimmungsbringer aus unserem Ort in den ersten Jahren die ausschließlichen "Stars" auf den närrischen Brettern sein: Als Redner fungierten u.a. Toni Kremer, Theo Kerstgen, Dieter Koehl, Willy Olligs und Franz Mattern. Ihre Beiträge wechselten mit Liedvorträgen der Gesangsgruppen "De Mülle Jonge", bestehend aus Dieter Koehl, Heinz Küpper, Reiner Schmitz und Peter Weinhag, sowie der "Ühledahlsänger" mit Albert Zimmermann, Josef und Matthias Köcher, Georg Kargl und Kurt Schwarz. Bei Letzteren handelte es sich um Vorstandsmitglieder des Bürgervereins Kirchherten, die das Dorfgeschehen und seine Bewohner mit zwinkerndem Auge auf´s Korn nahmen.

Als Stimmungssänger begeisterte Michael Kerstgen, der von Wilhelm Köcher am Schifferklavier begleitet wurde. Diese Aufgabe übernahm später Kurt Berg in der Rolle des "Singenden Kellermeisters". Weitere Attraktionen auf den Sitzungen waren die "Schnäutzergarde" unter Leitung von Franziska Schmitz sowie die von Agnes Schroers gegründeten "Roten Funken".

Das Programm der Prunksitzungen hat sich heutzutage gegenüber den ersten Jahren dem Zeitgeist entsprechend wesentlich verändert. Durch den Einfluss der Medien, durch ein immer größer werdende Erwartungshaltung des Publikums musste man dazu übergehen, bekannte Kräfte aus den Hochburgen des rheinischen Karnevals nach Kirchherten zu holen. So traten beispielsweise die aus dem Fernsehen bekannten Gesangsgruppen "De Gäng" und "Die Räuber", das Tanzcorps "Rheinmatrosen", das Traditionscorps "Jan von Werth", der "Bergische Landbote", "Dotz und Dötzche" sowie "Pit und Joe" bei uns auf.

In den letzten Jahren hat man den Versuch unternommen, zumindest vereinzelt wieder Kräfte aus unserem Doppelort in das Programm einzubauen, um so den Identifikationsaspekt als positiven Impuls zu nutzen. Als Aktiven mit Lokalkolorit begrüßte in den vergangenen Jahren Sitzungspräsident Heinz-Georg Olligs beispielsweise Norbert Mattern, der als humorvoller Sänger die Lacher auf seiner Seite hat. Neben den Roten Funken unter Brigitte Reiff und Marlene Mattern erfreut sich die jung-dynamische Tanzformation "The New Generation", die von Diana Holten trainiert wird, großer Beliebtheit. 2002 begeisterten sie mit Stücken aus "König der Löwen" und im Jahre 2003 mit Highlights aus den 80er Jahren.

6.3. "Mülle Leed", "Mülle Orden" und "Mülle-Senatoren"

Im Jahr 1972 komponierte der Altkarnevalist Josef Cremer das "Mülle Leed", das sich schnell zur Vereinshymne entwickelte. Erstmals auf der Prunksitzung 1973 von Wilhelm Köcher, Michael Kerstgens und Josef Kremer vorgetragen, wird mit ihm seitdem jede Sitzung beschlossen.

1973 war überhaupt ein wichtiges Jahr in der Geschichte der Gesellschaft. So schaffte man damals eine Uniform an, die zu einem einheitlich-positiven Bild der Mitglieder beitrug.

Etwas, das im rheinischen Karneval nicht fehlen darf, sind Auszeichnungen für engagierte und qualifizierte Aktive sowie verdiente Bürgerinnen und Bürger der Karnevalsorden. Dieses Element war in den ersten Jahren mit den üblichen Emblemen versehen. Seit 1985 aber zieren die Sessionsorden Motive aus Ortsteilen Kirch-Grottenherten und Pütz, immer versehen mit dem Wahrzeichen der KG, der Grottenhertener Windmühle. 1986 wurde vom Vorstand der schon lange gewünschte Vereinsorden eingeführt, der jährlich an verdiente Mitglieder verliehen wird.

Wie so vieles, so spielt im Karneval das Geld eine große Rolle. Die Verpflichtung von Kräften für die Sitzungen, die Musikkapellen, die Ausschmückung des Zeltes, Orden, Blumen u.v.m. kosten enorm viel. Über Mitgliedsbeiträge allein ist dies nicht zu bewerkstelligen. Anzeigen in den Programmheften sind ein wesentlicher Einnahmefaktor. Einen nicht unerheblichen Beitrag zur Finanzierung leisten die heute mehr als 25 Senatoren der KG, zumeist Honoratioren aus unserem Dorf. Die Gönner kommen aber auch aus Bedburg und den umliegenden Ortschaften, um den ursprünglichen Karneval in unserem Dorf zu unterstützen und auf Dauer zu erhalten.

6.4. Der hiesige Karneval in seiner großen Vielfalt

Karneval im Rheinland ist nicht beschränkt auf die drei tollen Tage, sondern eher schon ein Event, das in unterschiedlichen Facetten fast das gesamte Jahr über andauert.

Den Fastelovendsauftakt erlebt man jährlich am 11. November. Im Artikel "Mariechen tanzte vor Knollentreckern" berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger über die Sessionseröffnung des Jahres 1976:

"In gefährlicher Nähe von ratternden Knollentreckern schwang das Funkemariechen seine Beine. Ein Lautsprecher brüllte so lautstark kölsche Lieder, dass selbst der Glockenschlag der benachbarten Kirche übertönt wurde. Im Hintergrund garte in riesigen Töpfen eine kräftig gewürzte Gulaschsuppe. Und der Präsident zerdrückte eine Träne, weil alles so rührend karnevalistisch war. Es war Karnevalsauftakt, 11:11 Uhr in der Hochburg Kirchherten.

Um diese Zeit waren die Mülle Jonge schon drei Stunden unterwegs in Sachen rheinische Fröhlichkeit. Sozusagen mitten in der Nacht, um 8:30 Uhr, hatten sich die Mülle Jonge vor der Bedburger Mühle eingefunden, deren Besitzer im Hinblick auf die Namensverwandtschaft zum Frühstück bat. Kurze Zeit später ging es auf dem Marktplatz vor dem Rathaus hoch her, mit Musik und Tanz, Freibier und Limo.

Eine besondere Freude machten die Mülle Jonge den Patienten des Bedburger Krankenhauses. "Schmeißt eure Pillen weg und trinkt einen Schluck Kölsch, dann werdet ihr schneller gesund" verkündete Präsident Gerhard Offermanns, während sich die Genesenden schunkelnd an den Fenstern drängten.

Pünktlich um 11:11 Uhr ging`s in Kirchherten vor dem Hotel Deutsches Haus los. Bürgermeister Kaiser übergab den Rathausschlüssel den Karnevalisten. Großen Andrang hatte anschließend das Küchenteam zu verkraften. Durch mehrere Spenden hatte ein riesiger Topf mit Gulaschsuppe gefüllt werden können. Dazu gab es Freibier. Am Nachmittag boten die Mülle Jonge noch Reibekuchen an."

In den vergangenen Jahren wurde der 11.11. ein wenig modifiziert begangen. Am Marktplatz, auf seiner "Kappeskarr" stehend, erhielt Präsident H.G. Olligs durch Bürgermeister Willy Harren, bei dessen Verhinderung durch Ortsvorsteher Dieter Koehl den Stadtschlüssel übergeben. Schunkelnd und singend wurde die neue Session somit dörflich-deftig eröffnet. Seine Fortsetzung fand der Sessionsauftakt in der Vereinsgaststätte "Bei Manni", bei der gelegentlich Vertreter der befreundeten Bedburger Gesellschaften anwesend waren.

1983 fand erstmals ein "Karnevalistischer Frühschoppen" statt, der von befreundeten Gesellschaften gern besucht wurde. Die Aufmärsche der Corps, die Darbietungen der Roten Funken, in früheren Jahren insbesondere die Auftritte der "Fidelen Musikanten aus St. Nikolaus" begeisterten die Karnevalsfreunde in der Mehrzweckhalle. Höhepunkt einer jeden Veranstaltung aber waren die Auftritte des Bedburger Dreigestirns oder auch die von Trifolien befreundeter Vereine.

Dass man schon früh zukunftsorientiert dachte, beweist die Entscheidung der Mitgliederversammlung, unter Leitung von Franziska und Anton Schmitz etwas zur Förderung des Nachwuchses zu tun.. Man gründete die "Jung Mülle Jonge", deren erste Kindersitzung am Veilchendienstag 1974 unter der Präsidentschaft von Heinz Josef Jansen stattfand. Seitdem wird den kleinen Jecken in der Mehrzweckhalle ein großes Programm geboten. Als Präsidentin führte in den vergangenen Jahren Sandra Held souverän durch die Kindersitzung. Viel Freude bereiteten den Kleinen die jungen Büttenredner und Büttenrednerinnen. Besonders großen Beifall erhielten stets die kleinen Roten Funken, die teils schon im Alter von drei Jahren zur Freude der Gäste auf der Bühne tanzen. Das Fundament für die Zukunft wird hier gelegt.

Der organisierte Karneval hat nur dann eine Zukunft, wenn alle Gesellschaftsschichten sich mit ihm identifizieren. Identifikation aber lebt vor allem vom Mittun. Diese Erkenntnis ist Leitgedanke bei allen Entscheidungen der Mülle Jonge in den letzten Jahren gewesen. Dazu gehört zunächst die Neuorientierung in einem verjüngten Vorstand. Im Jubiläumsjahr 2003 setzte er sich wie folgt zusammen:

Vorsitzender: Wilfried Rick

Stellv. Vorsitzender: Udo Küpper

Präsident: Heinz-Georg Olligs

Geschäftsführer: Uwe Nölle

Stellv. Geschäftsführer: Brigitte Reiff

Kassierer: Michael Appelt & Wolfgang Weitz

Materialwacht: Ralf Beckmann

Beisitzer: Elfi Wawrzinossek & Wilfried Hartung

Neben einem attraktiven Angebot für die "Fun Generation", ist die Öffnung der KG für Frauen ein weiterer konsequenter Schritt in die Moderne gewesen. So sind Damen, die aktiv im Elferrat bzw. den Gremien der Gesellschaft mitwirken, heute zu einem normalen Element des Kirch-Grottenhertener Karnevals geworden. Das Angebot einer Familienmitgliedschaft ist ein weiteres Angebot. All diese Veränderungen haben sich positiv ausgewirkt. Heute zählt die KG mehr als 40 Mitglieder.

Stillstand ist Rückschritt. Diese Weisheit berücksichtigend, sucht man in der KG neben den oben skizzierten auch noch auf anderen Wegen, den Karneval attraktiv zu erhalten bzw. zu steigern. Im Jahre 2002 begab sich Präsident Olligs, der sich bereits als Barde des Vereinsliedes profiliert hatte, ins Tonstudio, um gemeinsam mit einigen anderen begnadeten Sängern der Gesellschaft eine CD aufzunehmen.

Zunächst wurde das Vereinslied aufgenommen. Hinzu kam der von Lambert Brosch getextete Song "Wenkmüll Alaaf" der am 15. Februar 2003 auf der Kostümsitzung uraufgeführt wurde. Vom großen Erfolg angespornt, hat auch das Kirchhertener Stadtdreigestirn der Jubiläumssession 2003/2004 eine CD mit drei Liedern aufgenommen. Mit "Fastelovend es eh herrlich Jeföhl", "He Fastelovend" und "Loss mer jet fiere" wird das Trifolium sicherlich auf allen Sitzungen im Stadtgebiet und darüber hinaus die Jecken erfreuen und zum Mitsingen animieren.

Eine Selbstverständlichkeit ist für "Mülle Jonge" die Teilnahme am großen Rosenmontagszug in unserem Dorf. Teils in Begleitung von Bürgermeiter Harren auf ihrem Prunkwagen, teils in anderen Gruppierungen tragen sie zu diesem prächtigen Umzug bei, der alljährlich von mehr als 10.000 begeisterten Jecken besucht wird. Übrigens: Das den Zug ausrichtende Rosenmontagskomitee feierte im Jahre 2004 auch ein karnevalistisches Jubiläum: es wurde 4 x 11 Jahre alt.

6.5. Würdenträger aus unseren Reihen

Einen ersten Höhepunkt erlebte die Gesellschaft in der Session 1977/78. Am 19.November 1977 wurde im damaligen Vereinslokal "Hotel Deutsches Haus" das erste und einzige Kirchhertener Prinzenpaar durch Bürgermeister Willi Kaiser prokalamiert. Mit Prinz Johann (Johann Poeckl), besser bekannt als "Rheinischer Johann" und Prinzessin Sibille (Sibille Zander) stellte man die närrischen Regenten der Schlossstadt. Ihr Motto lautete: "Maat üch Freund sulang et jeht, dat Levve duurt kein Iwigkeit."

In der Session 1982/83 hatte die Gesellschaft ihr erstes Trifolium, das zugleich als Stadtdreigestirn in den Sälen in und außerhalb Bedburgs bejubelt wurde. Am 13.11.1982 erfolgte im "Hotel Deutsches Haus" die Proklamation von Prinz Peter (Hans Peter Peters), Bauer Bernd (Bernd Zimmermann) und Jungfrau Theodora (Theo Dederichs). Ihr Leitsatz lautete: "Freude im Herzen tragen."

Sechs Jahre später vertrat wiederum ein Dreigestirn aus unserem Ort die Farben der Schlossstadt im Karneval. Am 11.11.1988 übernahmen Prinz Hermann (Hermann Sanders), Bauer Heinz-Josef (Heinz-Josef Olligs) und Jungfrau Martina (Matthias Müller) das Zepter.

"Mit Sang und Klang der Erft entlang" zogen sie durch die Säle.

Eine besondere Ehre für die KG ist die Tatsache, dass das letzte Stadt-Dreigestirn des 20. Jahrhunderts, das Jahrtausend-Dreigestirn der Session 1999/2000 aus seinen Reihen stammt. Am 12.11.1999 wurden Prinz Wilfried (Wilfried Rick), Bauer Kurt (Kurt Berg) und Jungfrau Michaela (Michael Loup) von Bürgermeister Willy Harren in das närrische Amt eingeführt. Nicht nur die großen Gesellschaften der Stadt mit ihren Tanz- und Musikcorps bildeten einen begeisternden Rahmen, auch "De Höhner" aus Köln machten ihre Aufwartung.

In der Jubiläumssession 2003/2004 stellt unsere KG erneut das Stadtdreigestirn: An der Spitze Prinz Uwe I. (Uwe Nölle), in seiner Begleitung Bauer Heinz-Georg (Heinz-Georg Olligs) und Jungfrau Friederike (Friedhelm Dirks).

6.6. Die "KG Mülle Jonge" mehr als nur ein Karnevalsverein

Von Anfang an war nicht allein die Ausrichtung des Kirch-Grottenhertener Sitzungskarnevals Anliegen der "KG Mülle Jonge". Vielmehr erhob man den Anspruch, ein Aktivposten im gesellschaftlichen Leben unseres Dorfes zu sein. Einige Beispiele mögen dies verdeutlichen:

1973 veranstaltete man unter der Schirmherrschaft des damaligen Bürgermeisters Heinrich Franken erstmals einen Volkswandertag, der später unter der Regie der Interessengemeinschaft als Rad- und Wandertag fortgeführt wurde.

Ein fester Termin im Jahreskalender unseres Ortes ist das von der KG ausgerichtete "Vatertags"-Fest.

Am 31.5. 1974 wurde das Fest erstmals an der Grottenhertener Windmühle veranstaltet. Der Stadt-Anzeiger berichtete:

"Das ist eine deftige Sache: Zwei Schweine müssen ihr Leben lassen. Bei Panhas, Hämchen, Rippchen und Erbsensuppe schmeckt das Kölsch noch mal so gut."

Das Fest entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem Magnet für Besucher nicht nur aus unserem Ort. So begann man bald bereits am Vorabend mit Tanz und ließ den Frühschoppen am Vatertagsabend ausklingen.

Der große Erfolg dieser ersten Veranstaltung von 1973, die enge Beziehung der KG zu unserem Ortswahrzeichen motivierte die Akteure 1974, dies im Vereinsnamen zu dokumentieren. Von da an nannte man sich "KG Mülle Jonge von 1970 e.V". 1978 wurde der Verein ins Vereinsregister beim Amtsgericht Bergheim eingetragen. Im selben Jahr wurde in der Pfarrkirche die neue Vereinsstandarte feierlich eingeweiht.

Nach einer vorübergehenden Unterbrechung wird seit dem Jahre 2000 an der Grillhütte am Sportplatz eine Westernfete gefeiert. Unter dem Motto "Wilder Westen in Kirch-Grottenherten" strömten nicht nur Einheimische, sondern viele aus den umliegenden Ortschaften hierher, um der Country-Musik zu lauschen. Die Tanzeinlage der Line Dance Group begeistete ebenso wie das "Bull Riding", bei dem insbesondere unser Präsident eine hervorragende Figur abgab.

All die Aktivitäten der KG sind mit einem hohen Maß an Arbeit verbunden. Um all denen zu danken, die erkennbar oder im Hintergrund zum Gelingen der Veranstaltungen beigetragen haben, findet jährlich im Sommer ein Familienfest statt. Mitglieder des Vorstandes laden alle Mülle Jonge und deren Familienangehörigen zu sich privat ein. Für die Kinder werden Spielmöglichkeiten organisiert, für die Erwaschenen Kaffe und Kuchen, selbstverständlich aber auch Kölsch und Gegrilltes.

6.7. Mit "Wenkmüll Alaaf" in eine gute Zukunft

33 Jahre KG "Mülle Jonge" (2003) – eine lange Zeit mit Höhen und Tiefen, mit großartigen Erfolgen aber auch Enttäuschungen. Vorsitzende und Präsidenten haben gewechselt, die Akteure heute sind nicht mehr dieselben wie im Gründungsjahr. Der Karneval im Allgemeinen hat, so muss man feststellen, etwas von seinem spontanen "Spaß an der Freud" verloren., eingezwängt in starre Vorschriften und eine Organisationsform, die die freie Entfaltung des natürlichen Humors häufig behindert.

Es scheint, dass der hiesige Fastelovend mit der noch etwas von dem bewahrt, was den rheinischen Karneval in mehr als 150 Jahren so reizvoll und liebenswert gemacht hat. Daher ist es nicht verwunderlich, dass jedes Jahr viele Gäste von außerhalb den Weg in unseren Ort suchen, um hier noch ein wenig vom urtümlichen, vom Fasteleer für alle mitzuerleben. Man kann nur hoffen, dass auch in Zukunft der Karneval hier so gefeiert wird, dass man mit Freude und aus vollem Herzen "Wenkmüll Alaaf" rufen kann. Garant dafür muss die KG "Mülle Jonge" sein, in der sich alle Mitglieder geschlossen und begeistert für unseren Fastelovend einsetzen.

Heinz-Gerd Schmitz