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Nordmänner janz jeck
VON DENNIS VLAMINCK, 28.02.06, 07:13h
Bedburg-Kirch- / Grottenherten - So etwas haben die 14 Wikinger noch nicht erlebt: Am Straßenrand stehen hunderte kostümierte Menschen und fordern lautstark Kamelle. Und Küstennebel-Schnaps, denn die Jecken entlang des Zugwegs haben schnell bemerkt, dass die Nordmänner echt sind. Jan Arfsten und seine Mitstreiter von der Insel Föhr, die auf einem geliehenen Wagen stehen, sind eigens für den Karneval in Kirch- / Grottenherten angereist und staunen über den rheinischen Frohsinn: „Der helle Wahnsinn“, ruft Arfsten heiser. „Besser geht's nicht.“ Der Kirchhertener Landwirt Heinz-Georg Olligs, der Arfsten in einem Urlaub kennen gelernt und jetzt über die tollen Tage eingeladen hat, grinst: „Die sollen schließlich mal sehen, wie wir hier so feiern.“

Die Föhr-Wikinger haben sich für ihren Erstkontakt mit Kamellewürfen einen der traditionell größten Züge der Region ausgesucht. 40 Gruppen und Wagen ziehen durch den Doppelort, darunter Panzerknacker, Ritter und die Arche Noah. Und viele Gruppen aus umliegenden Orten feiern im Zug von Kirch- und Grottenherten. Die Schüler der Klasse 4a von der Martinus-Grundschule in Kaster haben sich als lange Wäscheleine verkleidet. „Die Klasse besuchen auch Kirchhertener Schüler, und die haben uns eingeladen“, sagt Mutter Doris Bremer-Pischke.

Keine Einladung brauchten die „Karnevalsfreunde Pütz“, die als amerikanische Polizisten unterwegs waren. „Wir gehen hier nicht nur mit, weil bei uns kein Zug geht, sondern weil dieser Zug hier der beste und bunteste der ganzen Gegend ist“, rief Anja Peiffer von den Karnevalsfreunden. Kunterbunt ging es denn auch bei den Hippies von Norbert Kappes zu. „Wir wollten hier etwas Farbe reinbringen“, sagt Kappes, der wie seine Freunde in grellen Flower-Power-Kleidern steckt.

Politisch und bunt gaben sich die SPD-Politiker, die Jamaikas Landesfarben leicht abgewandelt hatten: Das CDU-Schwarz hatten sie für ihre Kostüme kurzerhand durch SPD-Rot ersetzt: „Der schwarze Stoff wollte uns einfach nicht über die Nähmaschine“, sagte Guido van den Berg. „Wir sind einfach die bessere Jamaika-Koalition.“


Geister, Schlümpfe und ein Piratenschiff
VON STEPHANIE WICKERATH, 24.02.04, 07:12h
Stundenlang bewegte sich der größte Bedburger Zug durch Kirch-Grottenherten. Auch in Rath wurde kräftig Karneval gefeiert.

Bedburg-Kirch-Grottenherten - Rund um Kirch-Grottenherten wurden die Parkplätze knapp. Zahlreiche Jecken waren in den Doppelort gereist, um den Rosenmontagszug zu sehen. Die Anwohner hatten ihre Musikboxen ins Fenster gestellt, so dass schon lange, bevor der närrische Lindwurm kam, auf den Straßen geschunkelt und gesungen wurde. 42 Gruppen, darunter drei Musikkapellen, zogen schließlich in originellen Kostümen und mit aufwändig gestalteten Wagen an den Narren am Straßenrand vorbei.

„Der letzte Rest von Königshoven“ ließ die 70er Jahre nochmal aufleben: Die Mitglieder kamen als Hippies und Blumenkinder. Die „Schweineföttche“ verteilten vom Wagen aus als Hänneschen und Bärbelchen Kamelle. Als Biene Maja beziehungsweise ihr Freund Willi kamen die Jecken der Gruppe um Claudia Schmitz. Den vierten Teil von „Herr der Ringe“ mit dem Titel „Der verlorene Königskegel“ präsentierte der Kegelclub „Schnelle Kalle“ in den Kostümen der Kinostars. „Die wilden 19er“ folgten als Geister. Auch Froschkönige, Vogelscheuchen, Musketiere und Schlümpfe waren mit von der Partie. Einen besonders hohen Wagen, ein Piratenschiff mit Ausguck, hatte die Jugendgruppe KKK, die statt Karnevalshits Technomusik laufen ließ. Voll in seinem Element war wieder das Stadtdreigestirn der KG Mülle Jonge, das den glanzvollen Abschluss bildete.

Bedburg-Rath - In Rath waren 15 Gruppen, davon vier mit Wagen unterwegs. Als Sonnenblumen im Topf hatten sich die Frauen der Gruppe Michaela Meisen verkleidet. Die „Kalle-Quäler“ kamen als rote Teufel, und der „Kaffeeklatsch“ wurde von Vogelscheuchen und Clowns abgehalten. Als Clowns waren auch die Jungs vom Fußballclub unterwegs, der 30 Kicker aus einem befreundeten Club nahe Mannheim dabei hatte. „Der liebe Gott weiß, dass wir keine Nonnen sind“ war das Motto des Junggesellenvereins, der sich in Nonnengewänder gehüllt hatte. Auch die Tanzgruppen von Claudia Förster und „Young Fusion“ waren wieder dabei. Für Musik sorgten der Musikzug Niederaußem und die Show-Kapelle.


 
 
Karneval kann ja so gesund sein
VON RALPH JANSEN, 23.02.04, 07:13h, AKTUALISIERT 23.02.04, 13:33h
Dreigestirn aus Kirchherten begrüßte die Zugteilnehmer am Rathaus.

Bedburg - „Vitamine für Bedburg“ stand auf dem Karottenwagen und die Jecken darauf hatten sich nicht nur als Möhren verkleidet, sondern verteilten auch ebensolche ans närrische Publikum am Wegesrand - so gesund kann Karneval sein. Wunderschön auch die schwarzen Gestalten, die auf dem Kopf Stockpuppen des Hänneschen-Theaters trugen. Von Speimanes gab es - de Woosch. Sumsebienchen, Steinzeitmenschen und Piraten, Bälle von Bob dem Baumeister, schöne Scheiche und Broicher Clowns, ein Teufel auf dem Dreirad und allerliebste Schmeißfliegen vom Tennisclub Kaster mit Teesieben als Augen und schwarzen Schaumstoffrüsseln genossen den Marsch durch Kaster, Lipp und Bedburg.

Rund 500 Teilnehmer wurden im Bedburger Zug gezählt. Wolfgang Correnz, Präsident des Bedburger Karneval-Komitees, freute sich über den großen Zuspruch der Zuschauer, die den 24 Gruppen und drei Großwagen der Ritter em Ulk, Bedburger Narrenzunft und Kleinen Lipper begeistert zujubelten. Vor dem Rathaus schauten sich nicht nur Bürgermeister Willy Harren und andere Politiker das Spektakel an. Auch das Bedburger Stadt-Dreigestirn schunkelte dort heftig mit. Prinz Uwe I., Bauer Heinz-Georg und Jungfrau Frederike stammen aus Kirchherten. Dort findet traditionell Rosenmontag erst ein Umzug statt. Deshalb machten die Kirchhertener Tollitäten aus den Reihen der Karnevalsgesellschaft „Knolle Buure“ und dem Rosenmontagskomitee ihren Bedburger Freunden ihre Aufwartung.

Bedburg-West / Blerichen / Kirdorf - Etwa 300 Zugteilnehmer waren in Bedburg-Blerichen, Kirdorf und Bedburg-West auf den Beinen. Vier Großwagen zogen in dem traditionell von den Karnevalsfreunden organisierten Umzug mit. Zugleiter Hubert Orth hatte kein festes Motto ausgegeben: „Da lassen wir den Jecken völlig freie Hand.“

Cheerleader in Dalmatiner-Kostümen, Weintrauben, Piraten, Robin Hood, Hexen und Gespenster jubelten den Jecken am Straßenrand zu. Unter Palmen verteilten Hulla-Mädchen und freche Früchtchen Süßes. Edi Pelzer schlug die Trumm und eine Hexe folgte dem Kardinal mit einem Gespenst an der Angel.

Klein-Kirchtroisdorf - „Mensche von überall feiern in Trusdörp Karneval“ stand auf einem Wagen in Kirch-Kleintroisdorf. Ausgelassen tanzten die etwa zwölf Gruppen und zwei Musikzüge durch die Gassen des Ortes. Wilde Katzen, die angeblich jede Maus jagen, zeigten sich handzahm und verteilten Bützje. Max und Moritz zogen aus einem Schornstein ein Huhn nach dem anderen aus der Pfanne der Witwe Bolte. Zauberer und Kamellebud, Marienkäfer, Bienchen und Kühe, Schlafmützen und Clowns vereinten sich zu einem bunten Bild.

Wunderschön anzuschauen waren auch die Seeleute von der Waterkant. Während die Eltern als Fischer verkleidet waren, hatten die Kinder Fischkostüme mit vielen bunten Schuppen an.


 
 
Dreigestirn bekam eine Gänsehaut
VON STEPHANIE WICKERATH, 10.11.03, 07:12h
Einen triumphalen Empfang bereiteten 600 Karnevalfans im Zelt der KG „Mülle Jonge“ an der Schulgasse ihrem Dreigestirn.

Bedburg-Kirchherten - Prinz Uwe I. Nölle, Bauer Heinz-Georg Olligs und Jungfrau Frederike alias Friedhelm Dirks bekamen Gänsehaut. An der Temperatur lag das nicht, denn das Festzelt war gut beheizt. Die Gäste sorgten vielmehr dafür, dass dem neuen Stadtdreigestirn von Bedburg ganz anders wurde. Schon beim Einzug der Musikkapelle sprangen die Jecken auf, stellten sich auf die Stühle und winkten mit Fähnchen. Jungfrau Frederike kam im dunkelroten Samtgewand als Erste ins Zelt und nahm den Jubel entgegen. Auf dem Weg zur Bühne wurden Kusshände verteilt, Umarmungen ausgetauscht und Blümchen verschenkt.

Der 49-jährige Dirks wurde in Ostfriesland geboren, wuchs aber in Leverkusen auf. Seit 20 Jahren lebt er in Kirchherten und ist fast ebenso lange im Vorstand des Rosenmontagskomitees. Der zweifache Vater und Großvater arbeitet als Maschinenbautechniker in Leverkusen. Dirks ist das erste Mitglied des Rosenmontagskomitees in einem Bedburger Dreigestirn.

Bauer Heinz-Georg Olligs brauchte doppelt solange für den Weg zur Bühne, weil er bemüht war, jeden Bekannten persönlich zu umarmen, den er in den Reihen sah. Sein halbes Leben lang ist der 36-Jährige bereits Mitglied der „Mülle Jonge“. Schon als Neunjähriger stand er in der Bütt, in der Schnäuzergarde spielte die Frohnatur eine gewichtige Rolle, und als Präsident führt er durch die Sitzungen. Der vierfache Vater arbeitet auch hauptberuflich als Landwirt.

Als Letzter zog Prinz Uwe I. ein, der sich fleißig im Bützen übte. Der 38-jährige Marktleiter und zweifache Vater ist dem Karneval ebenfalls lange verbunden. Als Jugendlicher trat er in seinem Geburtsort Übach-Palenberg als Büttenredner auf. Seit 1997 lebt der Prinz in Kirchherten. Ihrem Motto wurden die Tollitäten mit Prinzenführer Manfred Pegel bei ihrem ersten Auftritt bereits gerecht: „Mir hodde immer eins im Sinn, e herrlich Dreigestirn zu sin.“

Das Programm rund um die Proklamation gestalteten der Büttenredner Hans-Martin Schmitz aus Oberembt als „Ne Jung vom Land“, die Roten Funken aus Kirchherten, Bauchredner Klaus Rupprecht mit seiner frechen Puppe „Willi“, die Musikgruppe „Rabaue“, der Büttenredner Dieter Röder aus Neuss als „Ne Knallkopp“, die Tanzgruppe „New Generation“ aus Kirchherten zu einem Abba-Medley und die Parodisten „Blom un Blömcher“.


Quelle: http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1066925887456